Das Wesen der Bäume

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Das Wesen der Bäume

In den Ästen und Zweigen der Bäume liegen Wissen und Weisheit verborgen.Auf dem Weg durch den Wald verstummen die Gespräche. Eine innere Sammlung ist spürbar, sowohl um uns herum als auch in uns. Wir halten inne – an einem natürlichen Versammlungsplatz. Steinalte Bäume markieren wie Torwächter den Eingang.

Dahinter strahlen die Bäume Würde und Mächtigkeit aus. Ein kleiner steiler Pfad führt am Rand zwischen bemoosten Steinen durch. Die Spannung steigt und die Energie verdichtet sich. Unser Augenmerk richtet sich auf die Hüterin des Platzes, eine hochbetagte Birke, die zum Verweilen einlädt. Ich empfinde die Präsenz einer uralten Weisheitsquelle. Der Wind begrüßt uns mit einer frischen Brise, die Blätter rauschen und feine Muster von Licht und Schatten zeichnen sich ab. Mit wachen Sinnen lassen wir uns zu den markanten Stellen dieses Ortes treiben. Baumkreise, Baumfamilien, bizarre Steinformationen zeigen ihr Gesicht.

Wir sind weit oben und haben einen Überblick über das Land und somit für uns selbst. Hier können wir die wesentlichen Dinge des Lebens betrachten, verbunden fühlen mit der Natur und ihrer Kraft.

Bäume schaffen Atmosphären

Bäume prägen den Landschaftsraum, in dem sie wirken und gestalten ihn mit ihrer Kraft.

Die Verbundenheit mit ihnen zieht sich durch die gesamte Menschheitsentwicklung. Bäume sind Heimat, Nahrungsquelle und Heilmittel, Schutzraum und Versammlungsort für Rat, Gericht und Hochzeiten, Ort der Besinnung und Rückzug, Raum für kultische Handlungen und Zeremonien, für innere Einkehr und Kommunikation mit anderen Welten und Wesen. Sie sind Mittler zwischen Himmel und Erde, Lebensquelle und Lebensbewahrer. Unsere tiefe Beziehung kommt in mythologischen Überlieferungen, Legenden und Liedern zum Vorschein.

Bäume – Die Häuptlinge im Pflanzenreich

Bäume sind langlebig – jedenfalls an unserer Lebenszeit gemessen. Wer kennt das nicht, unter einem uralten stattlichen Baum zu stehen, der schon ein paar hundert Jahre tief verwurzelt das Landschaftsbild prägt. Mich macht es immer ganz besonnen und ehrfürchtig. Fragen tauchen auf wie: Welche Geschichten und Erlebnisse mögen sich hier zugetragen haben? Welche Tiere haben diesen Baum aufgesucht, um dort Nahrung und Zuflucht zu finden? Welche Aufgabe übernimmt dieser uralte knorrige Baum in seinem Landschaftraum?

Empirische Baumheilkunde

In früheren Zeiten waren die Menschen durch ihre Lebensgestaltung der Natur und dem Jahresrhythmus tief verbunden. Durch ihre Abhängigkeit von der Ernte vor Ort war ihre Beobachtungsgabe geschult. Das Wesen der Bäume zu erkennen war für die Menschen selbstverständlich und Geisteskraft wurde in allem Lebendigen erkannt. Wir profitieren aus diesen Fähigkeiten und dem Erfahrungswissen, das auch heute den Menschen der Naturvölker noch zu eigen ist. So wurden von Mund zu Ohr Märchen, Mythen, Geschichten und Anwendungen aus der Volksheilkunde bis in die heutige Zeit weitergetragen.

Heute wird eine flanze nach dem Wirkstoffgehalt geprüft und dann wird entschieden, ob sie in die Liste der Pflanzenmonographien aufgenommen wird.

Germanische Sagenmythologie

Bäume wurden in die jeweilige Kosmologie und Weltanschauung eines Volkes eingebunden. Der Norden, geprägt durch sein Landschaftsbild mit vielen undurchdringlichen Wäldern, hat alte Baumsitten und Gebräuche in seiner Mythologie eingewoben. In der Edda, der nordischen Mythologie, wird berichtet, daß die ersten Menschen aus dem Stamm einer Ulme (Frau) und einer Esche (Mann) von den Brüdern Odin, Wili (auch Hönir) und We (Lodur) erweckt wurden.In der  Weltenentstehung wird das Bild der Weltenesche Yggdrasil, dessen Zweige sich über alle neun Welten erstrecken und über den Himmel hinausragen, vermittelt. Im Baum sind die drei Welten Asgart (Götterwelt), Mitgart (Menschenwelt) und Utgart (Unterwelt) beheimatet.

Keltische Sagenmythologie

Bei den keltischen Druiden gab es den Oghamkreis, ein früh-irisches Baumalphabet, das in der Zeit von 600 v.Chr. bis ca. 700 n.Chr. in Gebrauch war und mündlich überliefert wurde. Der Baumkreis besteht aus 25 einheimischen Bäumen und Baumsträuchern, denen jeweils bestimmte Archetypen, Kräfte und Heilwirkung zugesprochen wurden. Der Oghamkreis wurde als Alphabet, zur Weissagung und für verschlüsselte Botschaften genutzt. Die Bäume sind im Jahreskreislauf einer bestimmten Zeit zugeordnet und dienen so als heiliger Kalender. Die Kelten haben die Bäume als Verkörperungen der geistigen Prinzipien ihrer Weltanschauung gesehen.

„Schau in die Natur und Du schaust in die Seele der Landschaft“

Die Signatur

In der traditionellen Medizin ist die Signaturenlehre ein wichtiges Kriterium zum Verständnis der Heilwirkungen von Pflanzen. Die „Signatur“ ist das Wesentliche oder Kennzeichnende jeglicher Erscheinungsform (lat. signum = Zeichen). Für den berühmten Arzt und Naturforscher Paracelsus von Hohenheim (1493 – 1541) bestand kein Zweifel, daß sich „in der Wesensgestalt eines Gegenstandes dessen innere, verborgene Kräfte zeigen“ und der Philosoph Jakob Böhme (1575 – 1624) sah in der Signaturenlehre „das Mittel zur Wesenserkennung der Dinge“. Form und Gestalt sind demzufolge nichts Zufälliges, sondern Ausdruck eines bestimmten Prinzips, einer Kraft oder eines Wesens. Und Ähnlichkeiten verweisen daher immer auf Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Auf diesem Prinzip gründete schließlich auch Samuel Hahnemanns (1755 – 1843) Homöopathie: „Ähnliches heilt Ähnliches“.

Aus den formgebenden Kräften der Bäume kann ihre Heilwirkungen abgeleitet werden. Die Genetik bestimmt, welche Formen bei bestimmten Bäumen möglich sind – die ästhetische Gesamterscheinung eines frei wachsenden Solitärbaums ist darin jedoch überhaupt nicht begründet. Aufbauend auf den Gesetzmäßigkeiten seiner Genetik könnte jeder Baum völlig wild in alle Richtungen wuchern. Dennoch gestaltet ihn eine unsichtbare Hand bei ungehindertem Wachstum so, daß er in seiner Gesamtform entweder die Form seines Blattes (Linde, Buche) oder seiner Frucht (Apfel, Birne) wiederspiegelt.

So stellt sich die Frage: Wer diszipliniert die einzelnen Zweige und teilt ihnen mit, wann sie ihr individuelles Wachstum einzustellen haben, um sich in die gemeinschaftliche Form zu fügen?

 Die Birke – Frühlingsbotin- Erwachen aus dem Winterschlaf

Wenn wir die Birke nach der Signaturenlehre betrachten, können wir sehen, das sie ein hübscher, schlanker Baum mit weißem Stamm ist. Sie hat die Gabe, sich geschmeidig im Wind zu bewegen, wirkt licht und luftig und hat einen aufhellenden, fröhlichen Charakter. Ihre Kraft ist die eines Pionierbaumes, das heißt, sie besiedelt Brachen und Windbrüche als erster Laubbaum. Sie bereitet den Boden vor und verbessert ihn. Im frühen Frühling transportiert sie rund 70 Liter Flüssigkeit pro Tag von den Wurzeln in ihre Baumkrone.

Mythologie

Im altirisch-keltischen Baumalphabet ist die Birke das erste Oghamzeichen. Sie steht für den Neuanfang, was auch der alte Name „Beth“ oder „Beith“ bedeutet. Ursprünglich wurden Wiegen und Krippen aus Birkenholz gefertigt. Mit Birkenreisigbesen kehrte man rituell das Alte aus, eine spirituelle Reinigung vor dem Neubeginn.

In den vorchristlichen Frühlingszeremonien nahm sie als heiliger Baum einen zentralen Platz ein. Sie wurde daher als „weiße Göttin“, als jugendliche Göttin des aufsteigenden Lichtes verehrt. Zum ersten Mai werden traditionell junge Birken geschlagen und festlich geschmückt als Maibäume aufgestellt. So wird der Geist des neuen Lebens, der Liebe und die wieder erwachende Vegetation geehrt und ausgelassen gefeiert.

 Heilkunde – Frühlingskur

So gut wie die Birke an den unterschiedlichsten Standorten mit dem Wasserhaushalt der Natur umgehen kann, so wirkt sie auf den Wasserhaushalt im menschlichen Körper. Tee aus jungen Blättern regen Galle, Niere und Blase an. Sie wirkt durchspülend als Aquaretika und ist somit harntreibend und blutreinigend.

Außerdem sind die jungen Blätter eine gesunde und schmackhafte Beigabe zu frischen Wildkräutersalaten. Zur Reinigung und Anregung der Haut werden in der sibirischen Sauna nasse Birkenreiser rhythmisch auf die Haut geschlagen. Empfohlen wird die Verwendung der Birke erst ab dem 30. Lebensjahr, nachdem die körperlichen Wachstumskräfte vollendet sind und der Mensch eine gewisse seelisch-geistige Reife erlangt hat. Sie entspannt und beruhigt die Nerven und bringt wieder Beweglichkeit und Nachgiebigkeit.

Der Weißdorn – das Tor zur Anderswelt der Feenreiche

Der Weißdorn ist ein Dornenstrauch aus der Familie der Rosengewächse. Er kann bis zu 12 Meter hoch werden, hat tiefreichende Wurzeln und verbindet sich tief mit der Erde. Er kann 500 Jahre und älter werden und liebt basische Kalkböden. Er ist ein Bote des Spätfrühlings, dann leuchtet seine Kraft und überzieht den Strauch mit seiner weiß-rosa Blütenpracht. Er ist ein Unterstützer der Vogelwelt – die Beeren bieten eine wunderbare Nahrungsquelle. Früher wurden dichte Weißdornhecken als lebendiger Schutz gepflanzt – die Hecke hegt das offene Land schützend ein. Der alte Name Hagedorn (german. haga – Hecke) – hegen, schützen, pflegen, nähren offenbart seine Bedeutung.

Mythologie

Das Oghamzeichen im altirischen-keltischen Baumkalender ist huathe. Altes Brauchtum besagt, dass die Zweige an der Tür vor unliebsamen Geistern schützen. Die Eingangstür ist der Wächter und die Grenze zwischen Außen-, und Innenräumen. Hagazustra ist der alte Name für Hexe. Das ist die, die auf der Hecke sitzt und zwischen den Welten wandert und vermittelt. Zwischen Zivilisation und Wildnis, zwischen der domestizierten und der ungezähmten Natur, zwischen den sichtbaren und den unsichtbaren Welten. Das entspricht dem Weißdorn, dem Vermittler zwischen den Welten.

In Irland ist der Weißdorn ein heiliger Baum und vorchristliche Heiligtümer sind oft von geweihten Weißdornhecken umsäumt. Dort wird Ihm nachgesagt, dass der Sitz der Feen sich dort findet. An vielen heiligen Quellen steht er, geschmückt mit farbenfrohen Stoffbändern.

Der isländische Name des Weißdornes svefnthorn – Schlafdorn – spiegelt eine mytholgisch – mystische Bedeutung des Baumes wieder, die wir in Märchen und Mythen wiederfinden.
Odin benutzte einen Dorn von Weißdorn um Brunhilde in einem magischen Schlaf zu versetzen.

In dem Märchen Dornröschen wird die Prinzessin von einer Spindel (traditionell aus dem harten Holz des Weißdorn) gestochen und fällt in einen hundertjährigen Schlaf und erwacht in einem neuen Zeitalter. Der Weißdorn bietet Schutz für Reisen in die Feenreiche, in andere Welten und Dimensionen und unterstützt die Kommunikation mit ihnen.

Heilkunde – Herzenskraft stärken

Der Weißdorn unterstützt und stärkt das Herz in allen Phasen, reguliert den Blutdruck, die Herztätigkeit und stabilisiert den Herzrhythmus. Unsere germanischen und keltischen Vorfahren wussten schon von der kraftspendenden Nahrungsquelle und kochten aus den fleischigen, roten, mehlig – süßlich schmeckenden Beeren ein Mus. Gesammelt werden die Blüten und Blätter zum Zeitpunkt der Vollblüte von April bis Mai zur Zeit des höchsten Wirkstoffgehaltes. Die vollreifen Beeren werden zwischen September und Oktober geerntet.

Franca Bauer

FrancaBauer@Cairn-Elen.de

www.franca-bauer.de

Franca Bauer gehört zum Gründungsteam der Cairn Elen Lebensschulen und unterrichtet seit 1997 Steinheilkunde, Geomantie und traditionelle Heilweisen. Ihre Schwerpunkte sind überliefertes Wissen mit neuen Erkenntnissen aus der Stein-, Baum- und Pflanzenheilkunde miteinander zu verbinden. Ihr Anliegen, Zugang zur Schönheit und Geistigkeit der Kraftquelle Natur, vermittelt Sie auf Ihren geomantisch-mythologischen Reisen in Irland, Bretagne und Vogesen.

 

 

2017-03-07T17:08:32+00:00