Königin der Taiga – Die Zedernuss

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Königin der Taiga – Die Zedernuss

Ein uraltes Heilmittel Sibiriens wieder entdeckt

von Barbara Simonsohn

 

Ein Teil des Geheimnisses der sprichwörtlichen Vitalität der Sibirier scheint jetzt gelüftet worden zu sein. Die Sibirier verehren seit alters her die Zeder als Lebensbaum. Die ersten sibirischen Zedern wuchsen noch in Gesellschaft der Mammute, Bisons und Nashörner.

Die sibirische Zeder ist ein riesiger Baum, dem selbst die stärksten Fröste nichts anhaben können. Sie erreicht eine Höhe von 50 Metern und einen Stammdurchmesser von zwei Metern. Die Samen ihrer Zapfen, die „Zedernnüsse“, werden „Brot der Taiga“ genannt. Sie enthalten etwa 60 Prozent – ein Rekord unter den Nüssen! – hochwertiges Fett und  etwa 20 Prozent ebenfalls sehr hochwertiges Eiweiß. Damit sind sie sehr nahrhaft. Wegen der exzellenten Qualität ihres Holzes und Harzes und wegen des enormen Nährwertes ihrer Samen, der Zedernnüsse, gilt die sibirische Zeder seit vielen Jahren als einer der wertvollsten Bäume, die die Erde je hervorgebracht hat.

Die sibirische Zeder besitzt ein gewaltiges Verbreitungsgebiet, vom Ural im Westen bis zum Pazifischen Ozean im Osten, und vom Polarkreis im Norden bis zum mongolischen Fluss Orgon im Süden. Der Baum wächst von den Flussniederungen bis hinauf auf die 3000 Meter hohen Gipfel des Altai-Gebirges. Die Samen der Zeder schmecken nussartig, noch besser als Pinienkerne, daher kommt der Name „Zedernnuss“. Das Aroma ist leicht harzig, mit einem feinen Waldaroma.

Neuerdings findet man Zedernnüsse in Reformhäusern, im Bioladen und auch im Versandhandel. Ihre Cholesterin hemmende Wirkung steht im Brennpunkt des Interesses von gesundheitsbewussten Verbrauchern. Zedernnussöl hat in der Volksmedizin Sibiriens seit Jahrhunderten seinen festen Platz und ist neuerdings auch bei uns erhältlich. Die wertvolle Nahrungsergänzung Zedernnüsse und Zedernöl hat sich auch bei Feinschmeckern einen guten Namen gemacht, von denen viele den Geschmack als weitaus besser einstufen als den von Pinienkernen. Ich behaupte: wer Pinienkerne mag, wird Zedernnüsse lieben.

Die Zusammensetzung des Zedernnussöls entspricht genau den Bedürfnissen des menschlichen Organismus. Das Öl enthält rund 90 Prozent einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren und wirkt hervorragend als Cholesterin-Killer. Vorwiegend findet sich Vitamin E als Gamma-Tocopherol in Zedernnüssen. Ist der Spiegel dieses seltenen E-Vitamins ausreichend hoch, sinkt das Risiko für Prostatakrebs bei Männern um 80 Prozent, das Risiko für Brustkrebs bei Frauen um 60 Prozent.

Die Zedernnuss enthält einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, darunter vor allem die wertvollen Linolensäuren, außerdem wichtige Spurenelemente wie Jod, Phosphor, Magnesium und Eisen. Linolensäure wird zur Synthese wichtiger immunregulatorischer Substanzen wie Prostaglandin E1 benötigt, das Entzündungen vorbeugt, und zur Stabilisierung der Zellmembranen. Zedernnüsse enthalten Lezithin und einen hohen Gehalt an den Vitaminen B1, B2, B6, Niacin, Folsäure, Phosphor, Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer, Mangan und wertvolles pflanzliches Eiweiß. Außerdem enthalten Zedernnüsse Pinolsäure und Pinolensäure, welche einen besonders günstigen Einfluss auf den Cholesterinhaushalt aufweisen. Zedernnüsse enthalten 19,1 Gramm hochwertiges Eiweiß pro 100 Gramm Gewicht mit allen essenziellen und nicht-essenziellen Aminosäuren, also dem vollständigen Aminosäurenprofil. Der russische Forscher Paramonov: „Zedernöl enthält dreimal so viele essentielle Aminosäuren wie Erdnussöl und anderthalbmal so viele wie Soja- und Sonnenblumenöl, und an phasphatidem Phosphor übertrifft das Zedernöl alle Nussöle überhaupt.“ (aus dem Buch „Königin der Taiga“)

100 Gramm Zedernnüsse enthalten durchschnittlich 62,3 Gramm Fett, davon 41,3 Gramm mehrfach ungesättigte Fettsäuren und 15,4 Gramm einfach ungesättigte Fettsäuren. Bei den Fettsäuren hat Linolsäure mit 27,7 Gramm den höchsten Anteil, dann folgen Ölsäure mit 14,6 Gramm und Pinolensäure mit 12,3 Gramm, sowie – jeweils unter 3 Gramm – Palmitinsäure, Stearinsäure, Pinolsäure, Behenöl (bekannt auch als Moringa-Öl), Alpha-Linolensäure, Arachinsäure, Eicosensäure und Eicosadiensäure. Zedernöl wird von den Sibiriern als „das Öl des ewigen Lebens“ bezeichnet, und Alexej Rassochin bezeichnet es als „vielleicht das beste Öl überhaupt.“ Der Vitamingehalt: Vitamin E 16 mg (Tagesbedarf mindestens 10 mg), Vitamin B1 oder Thiamin 0,45 mg (32% des Tagesbedarfs), Vitamin B2 oder Riboflavin 0,25 mg (das sind 15% des Tagesbedarfs), Niacin 3,5 mg (das sind 19% des Tagesbedarfs), Vitamin B6 (Pyridoxin) 0,39 mg (das sind 20% des Tagesbedarfs) und Folsäure 75 Mikrogramm (das sind 38% des täglichen Bedarfs).

Der Mineralstoffgehalt in Milligramm: Kalium 650 (33% des täglichen Bedarfs), Calcium 11 (1%), Phosphor 510 (64% des täglichen Bedarfs), Magnesium 225 (75% des Tagesbedarfs), Eisen 5,3 (38% des Mindestbedarfs), Zink 6,2 (41% des Tagesbedarfs), Kupfer 1,2O (96%). Außerdem enthält die Zedernuss noch 200 Mikrogramm Jod (43% des Tagesbedarfs) (Quelle: neuform international, 19246 Zarrentin). Magnesium ist wichtig für die Knochenbildung. „Kein anderes Lebensmittel enthält so viel von diesem Mikroelement“ (vgl. Rassochin, „Königin der Taiga“).

Zedernnüsse sind ein uraltes „Superfood“ der Extra-Klasse, wild und ursprünglich seit Jahrmillionen. Zedernnuss-Öl enthält drei Mal so viel Vitamin E wie Kokosöl und fünf Mal so viel wie Olivenöl. Die Nüsse enthalten zwölf Mal so viel Magnesium wie Brokkoli, sechs Mal so viel wie Bananen und vier Mal so viel wie Spinat. Die Zedernkerne enthalten fünf Mal so viel Eisen wie in Spinat und zweieinhalb Mal so viel wie Rinderleber. Sie enthalten fünf Mal so viel Vitamin K wie ein Hühnerei, drei Mal so viel Mangan wie Weizenvollkorn, mehr Kalium als Kartoffeln, drei Mal so viel Zink wie Haferflocken und viereinhalb Mal so viel Gamma-Linolensäure (GLA) wie Hanfsamen. GLA dämmt Entzündungen ein, ist Bestandteil der menschlichen Muttermilch und ist innerlich und äußerlich besonders hilfreich bei Hautproblemen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte.

Im Frühjahr 2005 wurde an der Medizinischen Akademie von St. Petersburg unter Leitung von Prof. Dr. med. Juij Wladimirowitsch Lobsin eine Studie zu den gesundheitlichen Wirkungen von Zedernnussöl bei der Behandlung von Patienten mit chronischer Gastritis und Hepatose veröffentlicht. Hepatosen sind Lebererkrankungen nicht alkoholischen Ursprungs. Der Studie zufolge wird Zedernöl als „Mittel mit einer vielseitigen klinischen Effektivität“ bezeichnet, das sich vor allem durch seine „positive Wirkung auf die Regulierungsmechanismen des Leber-Galle-Systems auszeichnet. Leber- und Gallefunktionen normalisierten sich. Auch ist von einer „Normalisierung der Leberstruktur“ die Rede.

Im Fettstoffwechsel kam es zu deutlichen Verbesserungen bei der Einnahme von zwei Mal täglich drei Gramm Zedernnussöl mit einer Absenkung des Gesamtcholesterins und einer positiven Veränderung seiner Zusammensetzung, und das in einem Zeitraum von nur drei Wochen. Der Gesamtcholesterinspiegel sank bei Steigerung des Anteils an HDL-Cholesterin, dem  „guten“ Cholesterin, was sich positiv auf die Gefäße auswirkt. Das HDL-Cholesterin nahm im Untersuchungszeitraum um 19 Prozent zu, das „negative“ LDL-Cholesterin verminderte sich um 17 Prozent. Der Gesamtanteil des Cholesterins im Blutserum sank bei den mit Zedernnussöl behandelten Patienten von 147 Milligramm je Deziliter Blut auf den Wert von 120 Milligramm. Das Zedernöl hatte auch einen günstigen Einfluss auf den Zuckerhaushalt, indem sich der Glukosespiegel signifikant verringerte.

Überzeugende Ergebnisse erzielte die Untersuchung bei der Therapie von Entzündungen der Magenschleimhaut, Gastritis. Die Beschwerden verschwanden entweder völlig oder gingen um die Hälfte zurück. Die Beschwerden von Patienten mit der Lebererkrankung Hepatose, die vor allem in Brechreiz bestehen, verringerten sich um ein Drittel. Reizdarmsymptome wie Bauchschmerzen nahmen deutlich ab oder verschwanden. Der Stuhlgang aller Patienten, die damit Probleme hatten, normalisierte sich. Der Leiter der Studie empfiehlt Zedernöl „als zukunftsweisendes Mittel der komplexen Therapie von Erkrankungen, die durch fortschreitende Fettstoffwechselstörungen gekennzeichnet sind.“ An der Sibirischen Staatlichen Medizinischen Universität der Stadt Tomsk bestätigte das Onkologische Forschungsinstitut die Heilwirkung bei Krebs und bei Menschen in Tschernobyl, die mit radioaktiver Strahlung verseucht wurden. Den Forschern zufolge wirkt Zedernöl prophylaktisch  gegen Arteriosklerose, Bluthochdruck, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Silikose und Leberzirrhose. Therapeutisch wirkt das Öl bei Gastritis und Entzündungen im Darm.

Im „Cedar Home“ bei Novosibirsk, gegründet von Vladimir Megre, Autor der „Anastasia“-Bücher, können Sie in einem (elektrosmogfreien) Haus schlafen, das ganz aus Zedernholz besteht. Die Bettwäsche, gefüllt mit Zedernspänen, können Gäste nach ihrem Besuch mit nach Hause nehmen. Und in einem Raum des Hauses ihr eigenes Zedernöl auf einer Holzpresse herstellen.  Professor Max Moser, Autor eines Buches über die alpine Zeder oder Zirbe, hat festgestellt, dass das Schlafen in einem Bett aus Holz der alpinen Zirbe oder der eng verwandten sibirischen Zeder eine Stunde Herzleistung – 3500 Schläge pro Nacht! – spart, weil die ätherischen Öle den Parasympathikus stärken. So ist die alpine und sibirische Zirbelkiefer auch im Schlafzimmer ein Heilmittel für den gestressten Menschen der heutigen Zeit.

 

Barbara Simonsohn ist eine gefragte Expertin und Bestsellerautorin für Ernährungs- und Gesundheitsthemen. Ihr Spezialgebiet sind Super Foods.

 

Literatur:

Barbara Simonsohn, „Sibirische Zedernnüsse. Das Gesundheitswunder aus der Taiga“, Schirner 2016

Alexej Rassochin, „Königin der Taiga“, Vega 2003

Maximilian Moser, „Das Geheimnis der Zirbe. Gesund im Schlaf“, Servus-Verlag 2015

2016-12-06T13:32:12+00:00