In dir steckt mehr, als du denkst!

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In dir steckt mehr, als du denkst!

Englvon Silvia Maria Engl

”Ich würde ja so gerne! Aber leider bin ich dafür zu alt.”

Falls du dich jetzt bei diesem Gedanken noch nicht wiedererkennst, dann versuchen wir es doch einmal hiermit:

”Ich würde ja so gerne. Aber ich bin einfach noch nicht soweit. Erst einmal brauche ich noch…”

Besser? Nun, falls du immer noch meinst, das hätte alles nicht mit dir zu tun, dann probieren wir es noch mit dieser Variante:

”Ich würde ja gern. Aber ich bin einfach nicht gut genug.”

Gerne kannst du ”nicht gut genug” auch ersetzen durch ”nicht mutig genug”, ”nicht erfahren genug”, ”nicht schlau genug”, ”nicht sexy genug” oder andere Nicht genugs, die deinem Ego so einfallen. Jedenfalls ist uns doch irgendwie jeder Gedanke recht, so lange er uns nur davon abhält, unser Leben und allem voran uns selbst zu verändern, nicht wahr?

Dabei ist Veränderung in deinem Leben ohnehin nicht aufzuhalten. Der Unterschied liegt alleine darin, wie sehr du es vermagst, dich dem, was ist, hinzugeben und deinem inneren Kompass, deiner Intuition zu folgen, auf dass es dir so leicht wie nur möglich gelingen möge, das zu erreichen, was zu erreichen du gekommen bist.

Klingt wunderbar, ist in der Praxis nur manchmal irgendwie so… schwierig? Mitnichten

Innere Stärke, Kraft, Selbst-Bewusstsein – das sind nicht etwa Dinge, die den einen in die Wiege gelegt wurden, während unfairerweise die anderen nur Feigheit, Schwäche und Unsicherheit abbekommen hätten. Nein, so funktioniert das Leben nicht. Kein Baby betritt diese Welt als zwingender Versager, daran glaube ich nicht. Vielmehr haben wir alle ein Ego, das ein Sammelsurium ist aus unzähligen Prägungen, Mustern und Verhaltensweisen. Manche von ihnen passen zu unserer Essenz, andere sind schlichtweg anerzogen, wodurch wir uns von uns selbst immer weiter entfernt haben. Liegt die Lösung also darin, diese ganzen (V)Erzieher von uns vernichtend zu beschuldigen und zu verdammen? Nein, natürlich nicht. Jeder Mensch gibt das, was er zu geben vermag. Eltern lieben ihre Kinder, so gut sie es nur vermögen. Was Eltern einem Kind nicht geben, das haben sie selber nicht. Mangelt es einem Kind an dem Gefühl der Geborgenheit durch die Mutter, so hat die Mutter recht sicher dieser Gefühl selbst nicht in sich. Denn sicherlich würde sie es mit ihrem Kind teilen, wenn sie es hätte. Das ist die Natur der Liebe, sie ist auf Teilen ausgerichtet. Teilen kann ich aber eben nur, was ich habe. Ich bin mir sicher, dass Eltern mir hier zustimmen. Alles, was sie haben, geben sie ihren Kindern gern. Auch Lehrer etwa sind in ihrem pädagogischen Wirken so gut, wie sie es aufgrund ihrer eigenen Art zu sein vermögen. Kein glücklicher Lehrer wird Wert darauf legen, Kinder in die Pfanne zu hauen. Schelte und Lehrerklischees bringen hier keinen Meter weiter. Vielmehr scheint es doch sinnvoller, Lehrer dabei zu unterstützen, selbst glücklicher zu werden, um dieses Glück in Leichtigkeit und selbstverständlich an ihre Schüler weiterzugeben. Wer diese Berufsgruppe aufgrund eigener schlechter Erfahrungen in der Schule oder einfach aufgrund der Tatsache, dass man herrlich über sie Witze machen kann, dauernd verurteilt, der erkennt nicht, dass er in Wahrheit sich selbst ständig verurteilt – und zwar für genau das, was in Lehrern zu erkennen glaubt. Oder aber es fehlt die Gabe der Vergebung – die für den eigenen inneren Frieden sorgen würde.

Schnell rutschen wir bei dem Thema (V)Erziehung/Fürsorge und was dabei falsch gemacht wurde von anderen in Pauschalitäten. ”Der Staat müsste” ist ein beliebter Satzanfang, wenn es darum geht, nach Lösungen zu suchen. Aber mal ehrlich: Ist es das, was UNS wirklich weiterbringt? Hier, jetzt? So unliebsam es scheinen mag, so klar liegt des Lebens Lösung immer und immer wieder auf der Hand:

Wer ein anderes Leben möchte, darf damit beginnen, sich selbst zu verändern

Seine Sichtweisen, seine eigenen Gedanken. Dazu gehört, Verurteilungen loszulassen, schmerzhafte Geschichten als subjektive Wahrnehmungen und Wahrheiten zu erkennen und auch in sich die Macht und Gabe zu finden, sie umzuschreiben bzw. neue Geschichten zu schreiben. Ja, auch in meinem Leben gab es eine Zeit, in der ich sogar nach der Todesstrafe gerufen habe als einzig angemessenes Mittel zur Bestrafung, aus Schmerz und Hilflosigkeit heraus. Ich glaubte, Rache wäre das einzig wirksame Mittel, um meine Wunden zu heilen. Dabei richtete ich damit nur weiteren Schaden an – allem voran in mir. Mein anhaltender Unwille zu vergeben und mich innerlich auszusöhnen, hat mich viele Jahre lang im Opferdenken gefangen gehalten. Würde ich es heute vermögen, in die Vergangenheit zu reisen, um etwas zu ändern, so würde ich mich von keiner einzigen Erfahrung abhalten. Ich würde mir allenfalls dazu verhelfen, viel früher von der Macht und Heilkraft der Vergebung zu erfahren und sie zu praktizieren.

Vergebung ist so viel mehr als ”Ich verzeihe dir!” Sie ist ein Heilmittel

Doch nicht jeder Mensch vermag es, zu vergeben. Ihnen fehlt es an innerer Stärke, zumindest aber an der Bereitschaft, die bisherige Sichtweise fallen zu lassen. ”Aber mein Bruder ist ein Versager und ein Betrüger!”, ruft der Rechthaber in uns aus. Wieso sollte man einem Versager und Betrüger vergeben? Nun, weil du in Wahrheit es bist, der versagt und betrügt. Du versagt darin, zu vergeben. Und du betrügst dich und deinen Bruder um eine liebevolle Beziehung zueinander, indem du darauf beharrst, dass dein Bild von ihm richtig ist und unabänderlich.

Innere Stärke, innere Kraft und vor allen Dingen die Bereitschaft zu bewusster Veränderung helfen dir, dich deinen Themen zu stellen. Dies mag eine große Aufgabe sein und sie verlangt dir etwas ab, das stimmt. Manchmal sogar sehr viel. Allerdings ist es doch nicht weniger anstrengend, in einem Zustand zu verharren, der dich nicht glücklich macht. Es ist ein Trugschluss, dass das Verbleiben in der Komfortzone keine Energie kosten würde. Im Gegenteil.

Unglücklich zu sein ist ein totaler Energiefresser

Dabei erzählen mir Menschen, die bei mir Rat und Unterstützung suchen, sehr häufig die gleiche Geschichte. Es würde ihnen an Kraft fehlen und an Mut, um etwas zu verändern. Ich sage dir:

Das ist nicht wahr! Es ist eine Lüge!

Auch in dir steckt alle Kraft, die du brauchst, um dein Leben zu verändern. Um dich zu verändern, dein Denken allem voran. Glaubst du wirklich, dass die Energie des Lebens, die dich erfüllt und die dafür sorgt, dass du lebst, dass du das jetzt hier gerade liest, dass sie dich weniger liebt als andere? Verwechselst du da nicht vielleicht ein paar Dinge? Nur, weil du dich nicht immer zu 100% von deinen leiblichen Eltern geliebt gefühlt hast, bedeutet das nicht, dass die Lebenskraft, die das alles überhaupt erst möglich macht, dich ebenso wenig oder viel oder gar nicht lieben würde. Und davon einmal abgesehen, dass vielleicht deine Eltern dich nicht immer so geliebt haben und nicht deinen Glauben an dich selbst gestärkt haben: Hast du denn deine Eltern immer geliebt, bedingungslos? Hast du sie gelehrt, wie man an sich glauben kann? Hast du dich aus deinen Themen befreit und lebst es ihnen authentisch vor, wie Leben auch anders funktionieren kann? Es ist immer, immer deine Wahl, ob du dem verletzten inneren Kind weiter die Macht über dich und dein Leben geben willst oder ob du dich neu entscheidest, hier und jetzt.

Willst du wirklich weiter über dich denken, dass du es nicht kannst? Dass dir die Kraft fehlt und der Mut?

Ich weiß, dass es für viele Menschen eine riesen Herausforderung ist, sich ihren Themen zu stellen und damit aufzuhören, über sich so elendig schlecht zu denken. Ich weiß aber auch, dass diejenigen, die sich dafür entscheiden, ihr Jammertal zu verlassen, es schaffen. Vor allen Dingen, wenn sie Geduld mitbringen. Egal, wie lange es auch dauern mag, bis du dich ganz befreit hast aus dem alten Korsett: Jeder Schritt, den du in diese Richtung unternimmt, führt dich bereits aus dem alten negativen Denken über dich selbst heraus. Mit jedem Schritt wirst du bereits freier, zufriedener und es wird leichter. Weil du mit einem Mal erkennst, dass es eben doch in deiner Macht liegt, dein Leben zu ändern. Indem du nicht mehr dem Rechthaber und dem Zweifler und deinem inneren Rachegott Raum gibst, sondern der Liebe. Der Vergebung. Der Klarheit.

Fange jetzt an. Indem du dich neu entscheidest. Egal, wie das gehen soll. Lass das nicht dein Problem sein. Entscheide dich dafür, deine wahre innere Kraft und Stärke in dir wiederzufinden und sie zum höchsten Wohle aller einzusetzen. Und du wirst sehen: Wenn du das aus ganzem Herzen willst, steht auch alles dafür bereit, das es braucht, um dich dorthin zu führen.

 

Silvia Maria Engl ist Expertin für Lebensfreude, Reisende im Innen wie im Außen, Autorin und Seminarleiterin

2016-12-06T13:32:12+00:00